Mein erstes Mal in Südchile, oder am Ende der Welt
Autor: Petar Žderić, Reiseführer
Wohnort: Split, Kroatien
Ich habe bereits oft die Möglichkeit gehabt zu reisen und schon viel von Europa gesehen, aber mein größtes Vergnügen war, Südamerika und Chile mit seiner schönen Landschaft zu besuchen. Diese außerordentliche Reise fand im letzten Jahr statt.
Mir kommt es so vor, als ob es schon lange her wäre, aber in Wirklichkeit war es erst vor einem Monat. Nun, die Tatsache, dass ich bis nach Südamerika gekommen war, brachte mich auch dazu, die Lebensgewohnheiten der Einwohner kennen zu lernen und mein erstes Erlebnis war, das Neujahr 2011 in Chile zu feiern.
Meine Freundin und ich waren gut vorbereitet und kannten unser Reiseprogramm in und auswendig. Durch die Unterstützung ihrer Eltern, die in Punta Arenas wohnen, wurde die Reise ein Erfolg.
Obwohl wir bereits wussten, dass Chile von Norden bis Süden ein sehr schönes Land ist, entschieden wir uns, den Süden zuerst zu bereisen, den Nationalpark Torres del Paine und den argentinischen Gletscher Perito Moreno. Wir hielten an verschiedenen Orten, wie die Höhle „Cueva del Milodon“ und in der Stadt Puerto Natales an.
Das Erste, das mir auffiel, als wir in Punta Arenas landeten, war der berüchtigte Wind, der, so meinen die „Puntarenenses“, das markanteste Merkmal der Region sei. Die Stadt hat ca. 150.000 Einwohner und erstreckt sich an der Westküste entlang der Magellanstraße. Ich empfehle, dass man sich ca. 5 Tage Zeit nimmt, um die Stadt ausführlich kennenzulernen.
Die Promenade in Punta Arenas wird von Familien, spielenden Kindern, Gruppen von Jugendlichen auf Rädern oder Basketball spielend, usw. besucht. Von hier hat man eine sehr schöne Aussicht auf die Magellanstraße, wo sich der Pazifik und Atlantik treffen. Das Zentrum der Stadt ist die „Plaza de Armas“ (Hauptplatz) oder wie die Einheimischen sagen: „Der Indianerfuß“. Man kann auch Museen, wie das „Museo de la Armada Chilena“ und „Sara Braun“ besuchen. Über Punta Arenas bekommt man einen guten Überblick von der Anhöhe „Cerro de la Cruz“. Und falls man mit dem Fahrrad oder Auto unterwegs ist, wird man die auffällig bunten Häuser betrachten können, von denen viele eine eigene Geschichte haben. Die Stadt ist zwar im Winter sehr kalt, aber der Sommer war für mich angenehm warm, lediglich von kurzen Regenschauern, die nur ein paar Minuten lang dauern, unterbrochen. Vorsicht, die Sonne kann wegen des Ozons für die Haut sehr gefährlich sein und es empfiehlt sich Sonnenschutz und eine Sonnenbrille. Es ist seltsam, dass im Sommer der Sonnenaufgang um 04:00 Uhr und der Sonnenuntergang erst um 23:00 Uhr stattfinden. Was soll ich sagen? Es waren die längsten Tage meines Lebens!
Am Tag nach unserer Ankunft fuhren wir mit dem Auto nach Perito Moreno in Argentinien. Die Fahrt dauerte nur 6 Stunden und ich konnte die Pampas und Estancias mit Rindern und Schafen beobachten. Die Straßen sind schön gerade und die Fahrt war sehr angenehm. Die wechselnde Landschaft beeindruckte mich sehr: Seen, Buchten, Hügel – alles in verschiedenen Farben, die mich in irgendeiner Art und Weise verwirrten und ich wusste nicht mehr, ob ich in Chile, Neuseeland oder in den österreichischen Alpen war.
Am Gletscher Perito Moreno angekommen warteten wir auf das Kalben der Eismassen. Man braucht sehr viel Geduld, aber wenn es geschieht, dann ist der Anblick ein fantastisches Erlebnis.
Am selben Tag fuhren wir weiter nach Torres del Paine, doch zuvor haben wir noch die Höhle „Cueva del Milodon“ besucht. In dieser prähistorischen Höhle soll der Milodon gelebt haben – ein riesiges Säugetier mir rotem Fell und kleinen Knochen, das, gestützt durch seinen dicken Schwanz, aufrecht stehen konnte. Der Höhle gleich gegenüber befindet sich ein Urwald mit reicher endemischer Vegetation.
Und endlich starteten wir zum Nationalpark Torres del Paine. Die Landschaft ist wunderschön, wir stießen gleich auf zwei Seen: Pehoe und Nordenskjöld. Sollte man hier, um Bilder zu machen, stehen bleiben wollen, so sollte man sich warm anziehen und die Kamera schön festhalten, denn der Wind bläst sehr stark. In unserem Fall 180 km/h.
Die Farbe der Seen ist türkis und in Kombination mit der grünen Farbe der Umgebung atemberaubend. Sehr interessant ist, dass man die Spitze der Berge so nahe sieht, dass man glaubt, sie mit den Händen bald berühren zu können. Um auf die Campingplätze zu gelangen, muss man auf steilen Straßen fahren, daher empfehle ich einen guten Wagen zu mieten.
Am Campingplatz angekommen haben wir unser Zelt aufgebaut und ein Lagerfeuer angezündet. Bald war auch das Abendessen fertig. Es ist sehr nett, dass man einfach einen freien Platz im Camping auswählt und irgendwann taucht der Platzverwalter auf, um zu kassieren. Man zahlt pro Tag.
Am nächsten Tag nach dem Frühstück haben wir den Anstieg auf den Aussichtspunkt “Mirador de las Torres del Paine” begonnen. Diese Wanderung dauert 8 Stunden (hin und zurück). Auf dieser Strecke kann man die Pampas, Steigungen aus Felsen und Schotter und wunderschöne Schluchten, durch die kleine Flüsse fließen, bewundern. Eine solche Tour sollte jeder machen, denn in nur 4 Stunden kann man Witterungen mit Sonne, Regen, Wind und am Ende Schnee erleben. Es ist einfach eine unbeschreibliche Erfahrung! Es bedeutet, dass einem auf 150m Höhe warm sein wird, aber bereits auf 500m wird man etwas Wärmeres anziehen müssen. Das schönste Gefühl ist, wenn du oben ankommst und alles von Schnee bedeckt vorfindest. Obwohl die Wanderung für mich eher leicht war, muss ich sagen, dass diese Strecke viele Steigungen hat und schwierig ist, deshalb sollte man leichtes und – für später – warmes Gewand mitnehmen. Sandwiches als Proviant und viel Wasser sind sehr wichtig, aber am wichtigsten sind gute Schuhe.
Zurückgekehrt nach Punta Arenas fuhren wir nach Fuerte Bulnes und San Juan, ungefähr 40 Minuten südlich von der Stadt entfernt.
Eines meiner schönsten Erlebnisse war mit der Fähre zu den „Pinguineras“ auf der Insel Magdalena zu fahren. Die Überquerung dauert 2,5 Stunden. Auf der Insel leben rund 70.000 Pinguine, die aus Brasilien hierher schwimmen, um zu nisten. Auf einer 800m langen Strecke kann man zwischen den Pinguinen spazieren. Man kann Pinguin-Familien, andere die graben und andere die kreuz und quer laufen beobachten. Die jungen Küken bleiben in den Nestern bei ihren Eltern, während die älteren schon die erste Schwimm- und Jagdversuche starten.
Wie auch immer, ich war 3 Wochen in Punta Arenas und kann behaupten, dass ich mir ein sehr gutes Bild über Chile und die Bewohner machen konnte. Die Landschaft, die prächtige Farben der Häuser, das Essen und die Getränke haben mich fasziniert. Die Leute sind sehr gastfreundlich und nett. Obwohl der Lebensstandard nicht besonders hoch ist, sind die Leute immer fröhlich, arbeiten viel und haben einen sehr guten Humor.
Kulinarische Spezialitäten: Die Magellaner haben eine sehr gute Küche. Sie essen sehr viel Fleisch, aber auch Fisch und Meeresfrüchte. Ich habe die Gelegenheit bekommen vieles zu kosten und ehrlich gesagt habe ich Lust gehabt, das Essen mit nach Hause zu nehmen, denn es schmeckt fantastisch. Ich kann die „Paila Marina“ (Meeresfrüchtensuppe), „Chupe de Centollas“ (Königskrabben), „Ostiones a la Vasca“ und „Parmezana“ (Jakobsmuscheln) empfehlen. Aber auch das feuerländische Lamm und das „Milcao Chilote“ (ähnlich wie Kartoffelpuffer, aber mit Fleischfüllung) sind köstlich.
Im Zentrum Punta Arenas muss man das Cafe „El Dino‘s“ besuchen, hier kann man „Barros Luco“ essen (die besten Sandwiches meines Lebens). Das Lokal ist ein bisschen teuer, aber die Gerichte schmecken sehr gut und sind hervorragend zubereitet. Im Allgemeinen ist das Essen in Punta Arenas nicht teuer, es gibt viele günstige Plätze, wo man Meeresfrüchte essen kann. Und falls man Lust auf „Once“ (Jause um 17:00 Uhr) und Mehlspeisen bekommt, so sollte man „La Chocolata“ oder den „Rincon Aleman“ (außerhalb der Stadt im Sektor Barranco Amarillo) besuchen.





